NGZ vom 25.07.2005 - Im Einsatz für Patientenrechte
Von Carsten Sommerfeld
Eine einfachere Anerkennung bei Fehlbehandlungen und ein Patientenschutzgesetz fordert die Notgemeinschaft Medizingeschädigter in NRW. Seit zehn Jahren kämpft sie von Zons aus für mehr Patientenrechte - nun auch auf europäischer Ebene.
Frank Lepold unterstützt seit anderthalb Jahren Vorsitzende Gisela Bartz im Patientenbüro der Notgemeinschaft Medizingeschädigter. Rund 400 Mitglieder , viele davon Betroffene, hat der Verein in Nordrhein-Westfalen.
NGZ-Foto: H. Jazyk
Leid und Erfolge sind nahe nebeneinander in den Regalen der Geschäftsstelle der Notgemeinschaft Medizingeschädigter in NRW im Bürgerhaus in Zons zu finden. Die vielen Ordner enthalten Briefe von Menschen, die Medizinern Fehlbehandlung vorwerfen, um Anerkennung und Schadensersatz kämpfen- und Schreiben, in denen der Verein und der auf Bundesebene aktive Deutsche Patienten Schutzbund sich für Patientenrechte einsetzen, nicht selten helfen konnten. Seit zehn Jahren kämpfen Vorsitzende Gisela Bartz und ihr Team für Patientenschutz - nun auch auf europäischer Bühne.
Als Forum für Erfahrungsaustausch und gemeinsame Interessenvertretung entsteht zurzeit ein Bündnis von Patientenschutzorganisationen unter anderem aus Polen, Niederlanden, Großbritannien, Österreich und Deutschland. Das erste Treffen war in Zons, erläutert Frank Lepold, Patientenberater im Büro der Notgemeinschaft und des Schutzbundes mit Landesverbänden in NRW und Baden-Württemberg.
Alles fing damit an, dass Gisela Bartz 1994 zur Fernsehsendung,Veto in München fuhr und dort Menschen traf, denen es ebenso ergangen war wie ihr. Nach einer Fehlbehandlung musste die heute 73-Jährige viele Jahre für ihr Recht prozessieren , so Lepold. Der Rückblick ist zugleich Mahnung, weiterzumachen, denn nach wie vor hat sich die rechtliche Situation Betroffener nicht verbessert, so Gisela Bartz, die jetzt einige Tages aus gesundheitlichen Gründen ausfiel. Betroffene müssen laut Lepold oft lange um Schadensersatz kämpfen.
Das fange bei der Begutachtung an: Die Gutachterkommissionen der Landesärztekammern werden von Haftpflichtversicherungen von Ärzten und Krankenhäusern mitfinanziert, die Notgemeinschaft befürchte mangelnde Objektivität. Alternativen sind der medizinische Dienst der Krankenkassen oder Privat-Gutachten, doch letztere können teuer werden. Und dann folge ein oft langwieriges Prozessverfahren: Der Patient muss meistens genau nach weisen, welcher Arzt bei der Behandlung an welcher Stelle einen Fehler gemacht hat.
Das ist oft kaum möglich. Wir fordern deshalb eine verursacherunabhängige Schadensregulierung, damit der Betroffene schneller zu seinem Recht kommt - unabhängig von der Frage, wer genau den Fehler gemacht hat. Eine weitere Forderung: Ein Patientenschutzgesetz, in dem die Rechte übersichtlich zusammengefasst sind. Andere Länder in Skandinavien und Osteuropa sind da weiter.
Ein Schwerpunkt bei Behandlungsfehlern liegt laut Lepold bei Hygienemängeln - Infektionen, die sich Patienten im Krankenhaus zuziehen. Einen weiteren großen Bereich bildet die Fehlmedikation. Er berichtet auch von einem Kind, das nach einer Mandeloperation wegen Nachblutungen starb - der Fall sei als Behandlungsfehler anerkannt worden.
Vor allem wenn Kinder betroffen sind, lässt man die Gedanken daran nicht im Büro zurück. Juristische Beratung leistet die Notgemeinschaft nicht, aber sie berät und begleitet ihre 400 Mitglieder bei möglichen Fehlbehandlungen, gibt auch anderen grundsätzliche Informationen. Im Jahr melden sich 2 000 Menschen allein telefonisch.
In kleinen Schritten werden Erfolge erzielt: Ein Fortschritt ist etwa, dass seit 2004 neben Krankenkassen und Ärzteverbänden auch Patientenschutzorganisationen im gemeinsamen Bundesausschuss vertreten sind. Zwar ist der Schutzbund selbst nicht dabei, Bartz und ihre Mitstreiter arbeiten aber etwa in der Gesundheitskonferenz des Kreises, im Patientennetzwerk NRW und Aktionsbündnis Patientensicherheit mit. Ein anderer Erfolg laut Lepold: Der Verein hat mit anderen dazu beigetragen, dass die Bundesregierung eine Patientenbeauftragte ernannt hat . Die neue Beauftragte Helga Kühn-Mengel besuchte erst kürzlich das Büro in Zons.
